Der Steinkauz - Tier des Monats Juni 2006
Vor Jahren hängte ich
eine Steinkauzröhre in einen alten Obstbaum auf unserer Wiese so auf, dass ich
den Eingang von der Küche aus im Blick hatte.

Leider tat sich nichts- kein Kauz war zu sehen, nur ab und zu brütete mal ein Star oder ein Feldsperlingspärchen in der Röhre. Die Hoffnung darauf, Steinkäuze schon zu Beginn des Tages beim Frühstück beobachten zu können, hatte ich schon beinahe aufgegeben.

Im April des letzten
Jahres war ich dann entzückt, als ich soeben noch mit einem Blick einen kleinen,
aber kompakten, rundlich wirkenden braunen Vogel in der Röhre verschwinden sah:
ein Steinkauz erkundete seinen zukünftigen Brutplatz- oder hatte er gar schon
sein erstes Ei dort abgelegt?
Auf alle Fälle war
ich von nun an immer sehr aufmerksam und zwei- oder dreimal sah ich einen Kauz
in den nächsten Wochen wieder in der Höhle verschwinden.
Ende Mai tauchten
dann die Jungen zum ersten Mal vor der Röhre auf. Problemlos wurden sie groß und
verteilten sich in den ersten Wochen nach dem Ausfliegen in der näheren
Umgebung.
Mal saßen sie im
Garten auf einem Zaun- oder Weidepfahl, mal weiter entfernt auf einer
Telefonleitung, aber immer wieder bekam ich sie zu sehen. Ich hatte unserem
Steinkauzpärchen sogar zwei fremde Käuzchen untergeschoben.

Bei
Scheunenabrissarbeiten waren sie Arbeitern in die Hände gefallen, die die
kleinen Unglücksraben zu mir brachten. Da ich wusste, dass mindestens noch zwei
Käuzchen in der Röhre heranwuchsen, hatte ich die beiden Findlinge kurzerhand
dazugesetzt und problemlos wurden sie mit aufgezogen. Mäuse gab es nämlich im
letzten Jahr genug.
Groß war in diesem
Jahr die Spannung, ob die beiden Steinkauzeltern auch in diesem Jahr wieder die
bereitgestellte Röhre als Brutplatz akzeptieren.

Zuversichtlich konnte
ich sein, denn die Partner eines Paares leben in Dauerehe zusammen und halten,
wenn nichts dazwischenkommt, am einmal gewählten Ort fest. Ab Ende April sah ich
dann einen Steinkauz regelmäßig in einem Nachbarbaum sitzen.
Er schien den gewählten Brutplatz fest im Auge zu haben. Ob das Weibchen schon drinnen auf Eiern saß?
Steinkäuze beginnen
mit der Ablage des ersten Eis zu brüten. Alle zwei Tage legen sie ein weiteres
Ei bis das Gelege komplett ist.
Ein Gelege besteht
meistens aus 3-5, manchmal sogar aus 6 oder 7 Eiern. Nach 24-28 Tagen schlüpfen
dann die Jungen. Da Steinkäuze ja mit der Ablage des ersten Eis zu brüten
beginnen, sind die jungen Steinkäuze nach dem Schlüpfen unterschiedlich alt.

Der älteste Kauz ist bei einem großen Gelege bis zu zwei Wochen älter als seine jüngsten Geschwister.
Anfang Juni war´s in
diesem Jahr schließlich, als der erste Kauz vor der Röhre auftauchte. Es ist
herrlich, diese Zwerge beobachten zu können.
Wie ihre Eltern sind
sie sehr lebhaft, rufen viel, verdrehen die Augen und den ganzen Kopf, rennen
bei den kleinsten Störungen blitzartig zurück in die Röhre, sind aber neugierig
und tauchen schnellstens wieder auf. Wenn einer der Altvögel mit Futter
auftaucht, wird es besonders spannend.
Vor lauter Aufregung
treten die Käuzchen von einem Bein aufs andere.
Leider regnete es fast ununterbrochen, als die Jungkäuze geschlüpft waren. Nur mühselig konnten die Altvögel Futter herbeischaffen. Nacktschnecken und Regenwürmer machten einen Großteil der Beute aus, Mäuse gab es kaum.

Nur ein einziges Mal
konnte ich beobachten, dass das Steinkauzmännchen, das bei unserem Pärchen viel
dunkler braun gefärbt ist als das braungraue Weibchen und dadurch gut vom
Partner zu unterschieden ist, mit einer Maus angeflogen kam.

Sofort flog ihm das
Weibchen entgegen und nahm ihm die stattliche Beute ab, um damit die Jungen zu
versorgen. Ich machte mir große Sorgen, ob die Jungen ausreichend ernährt
würden. 
Mit dem Fernglas
musste ich dann leider bald darauf erkennen, dass der ausgestreckte Fuß eines
Käuzchens aus der Röhre herausragte. Das Wetter hatte ein erstes Opfer
gefordert; die Altvögel hatten versucht, den Jungvogel vom Nistplatz zu
entfernen, waren aber am Marderschutz gescheitert.

So entsorgte ich den
bereits fast flugfähigen Kauz. Drei Tage später flog der erste Jungkauz aus.
Mittags schon fanden wir ihn tot auf der Wiese mit Hackwunden am Auge.

Vermutlich hatten die
vielen Dohlen, die bei uns brüten und den Steinkäuzen das Leben schwer machen,
Erfolg mit einer ihrer Attacken. Am 13. Juni flog dann aber der nächste Jungkauz
aus- und er scheint es geschafft zu haben und wird weiter mit Futter versorgt.

Heute dann, am 15. Juni, sah ich wieder ein Käuzchen vor der Röhre sitzen: Käuzchen Nummer 4 wünsche ich von Herzen, dass auch er es schafft und bald gesund und munter das Weite sucht. Vielleicht taucht dann noch Käuzchen Nummer 5 auf?







