Tier des Monats Oktober 2005: Der Fasan

So vertraut uns der allbekannte Fasan auch ist, eigentlich ist er doch ein Exot und Fremder, denn dieser Hühnervogel stammt aus Asien.

 

 

Schon im Mittelalter wurde er als Jagdtier in Deutschland eingeführt und zu Jagdzwecken gezüchtet. Zu Abertausenden werden auch heute noch Fasanen in Fasanerien ausgebrütet und aufgezogen. Wenn dann im Oktober die Jagd beginnt, werden sie freigelassen und laufen arglos dem nächsten Jäger vor die Flinte.

 

 

Sie wären auch nicht in der Lage, strengen Wintern zu trotzen und in der kalten Jahreszeit für sich zu sorgen. Kein Wunder, schließlich haben die freigelassenen Fasanen nie die Fürsorge einer Fasanenhenne erlebt, konnten nichts Neues erlernen und folgen nun allein ihren schlecht entwickelten Instinkten.

 

 

 

Dumm sollen sie sein, die Fasanen, dumm wirken sie auch, wenn sie in Panik vor einem Auto herlaufend flüchten und gar nicht auf die Idee kommen, ihre Flügel zu benutzen. Aber was will man von einem Fasan auch erwarten, der in einer Maschine ausgebrütet wurde und sich danach auch nicht um Wasser und Futter in seinen unnatürlichen Lebensräumen zu sorgen brauchte?

 

 

 

Betrachtet man Fasanenhähne in der Natur, wird man bald erkennen, dass sie alle anders aussehen und oft einander nicht einmal besonders ähneln. Das ist kein Wunder, denn die Jagdfasanen stammen von verschiedenen Unterarten aus unterschiedlichen geographischen Regionen ab.

 

 

Häufig zu sehen sind Fasanen mit einem weißen Halsring, die Ringfasanen. Sie stammen aus China; bei anderen Fasanen fehlen die weißen Halsringe ganz oder werden durch breite Binden ersetzt. Auch in unterschiedlichen Farbschlägen wurden Fasanen gezüchtet; es gibt aufgehellte Isabellfasanen, aber auch sehr dunkle Tenebrosusfasanen.

 

 

Die Nachkommen der Fasanen aus China, Japan, Kirgisien oder dem Westkaukasus wurden zudem noch untereinander gekreuzt, so dass die bei uns lebenden Fasanen eine wirkliche Mischbevölkerung ausgebildet haben.

 

 

Das deutsche Wort Fasan leitet sich vom lateinischen Wort „Phasianus“ und dieses wieder vom griechischen „phasianos“ ab. Einer griechischen Sage nach unternahmen die Argonauten unter der Führung von Jason eine Expedition nach Kolchis, das am Südostufer des Schwarzen Meeres lag.

 

 

Dort wollten sie das Goldene Vlies erbeuten. Bei dieser Reise sollen sie auf hühnerartige Vögel, die Fasanen, gestoßen sein, die sie mit nach Hause brachten.

 

 

Möglicherweise hat die Sage einen wahren Kern, denn seit der Zeit von Perikles wurden in Griechenland Fasanen gezüchtet. In Kolchis gründeten ionische Griechen die Kolonie Phasis am gleichnamigen Fluss.

 

 

Dass die Argonauten dort auf Fasanen gestoßen sind, kann also gut sein. Die Römer übernahmen viele Gewohnheiten der Griechen, die Fasanenzucht gehörte dazu. Auf keinem der üppigen Gastmähler der römischen Feinschmecker durften die leckeren Hühnervögel fehlen.

 

 

Kaiser Heliogabal, der für seine Maßlosigkeit berühmt war, ließ sogar seine Löwen mit Fasanen füttern. Nach dem Untergang des römischen Reiches widmeten sich Fürstenhöfe und Klöster der Fasanenzucht.

 

 

In Deutschland waren Fasanen schon 1250 am Rhein häufig und im 16. und 17. Jahrhundert wurden schon Verordnungen zum Schutz des Hühnervogels erlassen, weil die Fasanenjagd immer intensiver betrieben wurde.

 

 

In weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas können sich die Fasanenbestände aber nicht halten, deshalb  werden die Bestände immer wieder aus zahlreichen Fasanerien ergänzt.

 

 

Fasanen lieben abwechslungsreiche Landschaften mit Wald, Wiesen, Feldern und Wasser. Um überleben zu können, brauchen die Vögel reichlich Deckung, Körnernahrung in der Nähe, Schlafbäume, auf denen sie sich jeden Abend zurückziehen und Flüsse, Bäche oder Teiche in der Nähe. Winterkalte Gebiete meiden sie- ideale Lebensräume finden sie in der münsterländischen Parklandschaft und am Niederrhein mit den reich strukturierten Landschaftsformen und den zugleich wintermilden und oft schneefreien Wintern.

 

 

Hier können Fasanen auch ohne menschliche Eingriffe überleben. Die Fasanenhennen finden in Hecken und an Feldrändern noch stille Flecken, an denen sie ihre Gelege – bewacht vom aufmerksamen Hahn- ausbrüten können. Direkt nach dem Schlüpfen und Trockenwerden führt die Henne ihre Junge an ungespritzte Feldränder mit Gras und Wildpflanzen.

 

 

Hier kann die Familie noch Insekten finden, denn tierisches Eiweiß brauchen die Küken, um aufzuwachsen und um gesund zu bleiben.

Doch auch im Münsterland werden jetzt im Oktober zur Jagdzeit wieder Mengen von Volierenfasanen ausgesetzt. Sie sind es wohl, die das Bild vom „blöden Fasan“ haben entstehen lassen.

 

 

Dass Fasanen, die seit vielen Jahren in der Natur überleben, alles andere als blöd sind, beweisen „unsere“ Fasanen immer wieder. Sobald die ersten Jagdgesellschaften erscheinen und Schüsse krachen, bäumen sie abends in unserem Garten auf Fichten, Ahorn- und Eichenbäumen auf und mischen sich zur Nahrungssuche unter unsere Hühner.

 

 

Sie bleiben dann gern in Grundstücksnähe- als wüssten sie, dass sie hier vor Jägern sicher seien. Sobald die Jagdzeit dann vorbei ist, verschwinden aber auch unsere Fasanen wieder. Jetzt ziehen sie die Weite der Feldflur vor!

 

 

Weitere Infos zum Fasan im Naturlexikon:

 http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00015/HWG00015.html